13.08.10 Stuttgart21 in Ravensburg?! PDF Drucken E-Mail
Freitag, 13. August 2010 um 14:16 Uhr

100 Jahre alte Linden im Biergarten der Räuberhöhle vom Fällen bedroht!

Wie jetzt erst öffentlich bekannt geworden ist, soll der Biergarten der Räuberhöhle mit dem fast 100 Jahre alten Lindenbaum-Bestand einer Tiefgarage weichen. In der ersten Bebauungsplanänderung vom 14.10.2009 war im Innenhof der Räuberhöhle eine Grünfläche ausgewiesen. Dies wurde in einem beschleunigten Verfahren ohne Anhörung der öffentlichen Gruppen, wie z.B. BUND, durchgeführt. In einer zweiten Änderung vom 28.4.2010 wurde diese Planung verändert und die Grünfläche zu Gunsten eines Einbaus einer Tiefgarage im Innenhof verändert. Für diese Planung müssten die zwei fast 100 Jahre alten Linden im Innenhof geopfert werden. Gerechtfertigt wird diese Maßnahme weiter durch den Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp damit, dass während der Auslegung und Beteiligung weder von der Öffentlichkeit noch von den Trägern öffentlicher Belange, auch nicht vom BUND Stellungnahmen dagegen vorgebracht wurden. Stellungnahmen können aber nur abgegeben werden, wenn die Öffentlichkeit informiert und eingebunden wird. Ähnlich wie beim Entscheidungsprozess um das umstrittenen Kunstmuseum gibt es aber kein Interesse die Pläne der Stadt und der Investoren durch eine kritische Öffentlichkeit zu gefährden.

Die Räuberhöhle und der Biergarten sind Bestandteil der kulturellen, sozialen Geschichte und Treffpunkt der unterschiedlichsten Millieus in Ravensburg. Die Menschen brauchen daher die Räuberhöhle als Ausdruck eines Lebensgefühles, so wie der Fisch das Wasser zum Schwimmen braucht.

Laut einem Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom Februar steigt der Schuldenstand der Stadt Ravensburg vermutlich von 27,1 Mio € auf 40,9 Mio € bis zum Ende des Jahres an. Prestigeobjekte wie das geplante Kunstmuseum mit jährlich geschätzen Kosten zw. 500.000 und 1 Mio € leisten da sicher einen Beitrag zum Schuldenstand, den letztendlich die Bürger aufbringen müssen.

Ein Zusammenhang zwischen dem geplanten Kunstmuseum und der Räuberhöhle lässt sich aus einem Interview der Schwäbischen Zeitung mit Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp vom 7.08. herstellen. Zitat: „Vier Argumente sprächen deutlich für das Museum an der Burgstraße, das einmal die wertvolle Sammlung Selinka beherbergen und hochkarätige Wechselausstellungen zeigen soll. Erstens die Chance, eines der letzten Schmuddel-Viertel gründlich zu sanieren. Neben dem Museum entstünden an der Burgstraße ja eine neue Tanzschule, Wohnungen, eine Tiefgarage.“

Wer bisher dachte Gentrifizierung (Umstrukturierung von Stadtvierteln) würde nur in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder Stuttgart stattfinden, sieht, dass Oberschwaben nicht verschont bleibt. Die Folgen der Gentrifizierung sind oft teure Mieten und die Vertreibung alteingessener MieterInnen. Nicht weiter verwunderlich, dass die ersten BewohnerInnen bereits damit konfrontiert wurden, wann Sie das Areal denn verlassen würden.

Ein erster Schritt sind Unterschriftenlisten, die bereits in der Räuberhöhle, im Kulturladen Rhizom und im Copyshop ausliegen, die sich für den Erhalt der bedrohten großen Linden-Bäume aussprechen. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 zeigt eindrucksvoll, dass wir uns nicht alles gefallen lassen sollten.

Time for the next step!!!

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 13. August 2010 um 22:09 Uhr