Prekarisierung - einige Gedanken dazu von uns PDF Drucken E-Mail

Themenschwerpunkt Prekarisierung

Prekäre Lebensverhältnisse bestimmen zunehmend unseren Alltag. Prekarisierung (Prekär lat.-fr.: durch Bitten erlangt, widerruflich schwierig ) bezeichnet die Zunahme ungesicherter Arbeitsverhältnisse, wie Teilzeitbeschäftigung, befristete Verträge, niedriger Lohn, mangelnder Kündigungsschutz, illegalisierte Arbeit, Selbstständigkeit und Ich AG´s.
Prekäre Arbeit bedeutet oft Arbeiten ohne sicher zu sein, das Leben damit fristen zu können. Arbeitsrechte und Gesundheitsschutz sind häufig Fremdworte im beruflichen Alltag.
 
  Deregulierte Arbeitsverhältnisse nehmen beschleunigt zu, seitdem Dienstleistungen outgesourct, Arbeit flexibilisiert und ein Niedriglohnsektor staatlich gefördert wird.
In der Vergangenheit waren bislang in erster Linie Frauen und insbesondere MigrantInnen betroffen, in Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten, die kein oder kaum ein Auskommen gewährleisteten. Für immer mehr Bevölkerungsschichten werden prekäre Arbeitsverhältnisse zur neuen Normalität.
Als BriefträgerInnen, LKW-Fahrer, LagerarbeiterInnen, McDonalds-Servicekräfte oder Call Center Agents die für Niedrigstlöhne arbeiten - als Ich-AGs die sich für ihre Existenz abstrampeln - LeiharbeiterInnen die bei obskuren Vermittlungsagenturen um ihre Entlohnung kämpfen müssen - Illegalisierte die bundesdeutsche Wohnungen putzen - kurdische Flüchtlinge im Imbiß - Polen, Rumänen, Deutsche und Portugiesen entgarantiert auf Baustellen - Heimarbeiterinnen auf Abruf - Studentinnen die Kinokarten abreißen oder in der Gastronomie Hilfsjobs haben - die angebliche ,Wissens- oder Informationsgesellschaft' basiert auf Zeitarbeit und Niedriglohn.
 
Viele arbeiten so, weil die Lebensnöte es so erfordern oder erzwingen. Andere leben so, weil es besser ist als vorher. Wieder andere betrachten es als Zwischenspiel oder Aufstiegsweg. So vielfältig wie Jobs und Bedingungen so verschieden sind Selbstverständnis, Perspektiven und Ziele der Beschäftigten.
 
Wenig Alternativen haben allerdings viele MigrantInnen mit und alle ohne Papiere: Razzien und Sondergesetze, die Bevorzugung von Deutschen am Arbeitsmarkt, Arbeitsverbote für Flüchtlinge und damit insgesamt eine ,Zuwanderungspolitik', die in Illegalität und damit in Schwarzarbeit drängen, zwingt sie in die miesesten Jobs.
 
Prekäre haben keine Lobby, bzw. Interessensvertretung, wie z.B. Gewerkschaften und der Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ist daher marginal und wird kaum wahrgenommen.
 
Prekäre Arbeitsverhältnisse begegnen uns überall im Alltag, ohne dass wir diese bewußt wahrnehmen und uns damit auseinandersetzen. Ein Schwerpunkt wird daher die Thematisierung und Auseinandersetzung damit sein.
 
- Auf wen beziehen wir uns in einer interventionistischen Praxis und dem Kampf gegen prekäre Lebensverhältnisse? Wo und wie können wir uns auf Gewerkschaften und linke Betriebsgruppen beziehen?
 
- Die Diskussion um Mindestlohn und Grundeinkommen hat Konjunktur und wird von Medien und Politik diskutiert. Wie können wir dies aufgreifen und welche inhaltlichen Positionen vertreten wir?
 
- Es geht aber auch um die Begrifflichkeiten von Aneignung, Anerkennung, Verteilung. Wir wollen an Gegenkonzepten arbeiten und praktische Schritte entwickeln um dies umzusetzen, aber auch kritisch betrachten.
 
Wir wollen der Frage nachgehen, wie wir uns öffentliche Räume, wie soziale Zentren, die Straße, den Stadtteil in den wir leben oder die Fabrik wieder aneignen und damit Freiräume für Bewegung schaffen können.
 
Mit Veranstaltungen, Filmabenden, Seminaren, Texten, Diskussionen und praktischen Aktivitäten wollen wir die Auseinandersetzung um diese Thematik vertiefen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 18. Januar 2010 um 19:36 Uhr