|
Aufarbeitung unserer Veranstaltungsreihe und weitere Perspektive Unsere erste Veranstaltungsreihe ist zu Ende. In diese Veranstaltungsreihe haben wir viel Energie und Zeit reingesteckt. Es war abzusehen, dass das Thema "Neofaschismus, Nationalsozialismus und 60 Jahre Befreiung vom Faschismus" durch die mediale Öffentlichkeit aufgegriffen würde und Politiker, rechte Intellektuelle diesen Raum nutzen würden, um die Geschichtsaufarbeitung und den Umgang mit der Vergangenheit in ihrem Sinne zu gestalten. So begann Bundestagspräsident Köhler seine lange Rede am 8. Mai im "Reichstag" mit der Aufzählung der Opfer; schon nach wenigen Sätzen war er bei der "Vertreibung der Deutschen", dem "Verlust der Heimat" es folgten auf Seite 2 "Zwangsarbeit in der Sowjetunion", Vergewaltigung durch Besatzungssoldaten", "Bombenangriffe auf Düsseldorf" .... Täter werden zu Opfern. Der Mainstream flankiert dies mit Büchern und Filmen - aus Antisemiten werden Widerstandskämpfer und aus Gestapobeamten Judenbeschützer. Da wird dann Geschichte umgedeutet, zumal die Zeitzeugen langsam aussterben. Wir hatten unsere Veranstaltungsreihe deshalb dem Motto: "Gegen das Vergessen" gewidmet. Selbstkritisch betrachtet, haben wir nur bedingt das erreicht was wir uns vorgenommen hatten. Die Veranstaltungen waren eher mager mit zwischen 4-18 Interessierten besucht. Die anschließenden Diskussionen waren durchwegs spannend - allerdings haben wir es nicht geschafft unser Ziel den Brückenschlag zur Praxis zu vollziehen. D.h. konkret für unser Projekt: "Der Werkstatt für Geschichte, soziale Bewegung und Praxis" zu begeistern. Dies hat sicher mehrere Ursachen: 1. Unsere Gruppe besteht bisher aus wenigen Einzelpersonen, ohne gewachsene Kontinuität, fehlende Diskussionsprozesse und Praxis. Insofern waren wir kaum in der Lage breiter in gesellschaftliche öffentliche Räume, wie z.B. Schulen, Gewerkschaften, Betriebe, Altenheime, auf der Straße etc. hineinzumobilisieren. 2. Wir waren nicht in der Lage unser Publikum in das Projekt zu integrieren. 3. Es gibt derzeit in unserer Region keine gewachsenen politischen subkulturellen Strukturen. Das Motto ist eher "Everyone for himself". Das hört sich jetzt erstmal nicht besonders motivierend an. Wir sehen aber trotzdem die kleinen Erfolge, wie die entstandenen spannenden Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den eingeladenen Zeitzeugen, aber auch die Anfrage einer Lehrerin nach Film und Zeitzeugen für eine Projektwoche an einer Schule. Stellt sich aber die Frage, inwieweit wir mit unserem Anliegen den gesellschaftlichen mainstream einer Spaßkultur von Fernsehen, Computer und Party mit unserem Anliegen durchbrechen können. Wie und warum weiter dann mit dem Projekt ? Die Frage nach dem warum lässt sich einfacher beantworten. Die eventuell anstehenden Neuwahlen lassen nichts gutes hoffen. So oder so - der rasante Sozialabbau und damit einhergehende Verarmung, Entlassungen und Zwangsarbeit für Niedriglöhne, die menschenverachtende Politk von Ausgrenzung, Abschiebung, Überwachung, Repression, der nächste möglicherweise anstehende Kriegskonflikt ( Iran ), Militarisierung der europäischen Außenpolitik zum Schutz "unserer" Resourcen, und und und.... all das wird weitergehen! Und wir mitten drin - Auf dich alleine gestellt in der Hoffnung, dass du nicht der nächste Betroffene bist. Wir wollen nicht zuschauen und uns in selbstgestrickten Nischen zurückziehen - sondern uns auf soziale Bewegungen beziehen und an einem regionalen Netzwerk arbeiten. Für uns bedeutet dies linke Strukturen aufbauen und die Diskussionen um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. In Zeiten, wo die Klage über Vereinzelung allgemein wird und jede/r von uns individuell mit prekären Arbeitswelten oder sozialer Unsicherheit konfrontiert ist, wird es allerhöchste Zeit, daß wir uns zusammenschließen - an gemeinsamen Lebensentwürfen basteln, und uns überlegen was wir der neoliberalen Verwertungslogik entgegensetzen können. Wir wollen uns nicht Normen und Werte dieser Konsumgesellschaft aufdrücken lassen. Der Staat braucht uns als willige, funktionierende Sklaven - wir aber nicht den Staat! Wir halten den Ansatz der "Werkstatt für Geschichte, soziale Bewegung und Praxis" für einen ersten Schritt unsere Interessen und Bedürfnisse in die eigenen Hände zu nehmen. Derzeit diskutieren und arbeiten wir an mehreren Ansätzen. Einer öffentlichen Bücherei ( mit den Schwerpunkten Literatur zu linken Themen ), einem Film- und linken Zeitarchiv und wir wollen die Werkstatt als einen offenen Treffpunkt für Projekte und unterschiedlichste Ideen ausbauen. Unsere Lebens- und Alltagsbedingungen sind mit Sicherheit sehr unterschiedlich. Ob der Job in der Fabrik, die Familie mit Kindern, als Hartz IV Betroffene, als Migranntinnen ... Das sollte uns aber nicht hindern gemeinsam über Lebensentwürfe zu diskutieren und diese umzusetzen - solidarisch mit den Unterschiedlichkeiten - die unser Alltag, unsere individuelle Lebenssituation ausmacht. Darin sollte jede/r von uns sein Platz suchen und finden. Ob wir im Herzen der Oberschwäbischen Bestie Ravensburg wohnen, oder in Hinter- Vorder ... im abgelegenen Umland. In den letzten Jahren sind von unterschiedlichsten Gruppen und Initiativen Kampagnen, ob zum Irak-Krieg, Sozialabbau, Globalisierung etc. meist recht mühselig angestoßen worden und allzu schnell verpufft. Unser Anliegen ist daher einerseits selbstkritisch zu hinterfragen wo Fehler gemacht wurden, aber auch perspektisch das wie besser machen zu diskutieren. Das heisst Sammeln und Auswertungen der verschiedenen Erfahrungen und Bedürfnisse. Daher dachten wir uns, dass wir euch für Sonntag den 10. Juli um 14 Uhr zum gemütlichen Kaffetrinken ( bringt Kuchen, Kekse etc mit ) einladen. Nur mutig gestritten, the future is unwritten! Im Kulturladen, Bachstr. 27, 88214 Ravensburg.
|