2004 Offener Brief an Wohlfahrtsverbände wegen 1 € Jobs PDF Drucken E-Mail

Aktionsbündnis gegen Sozialkahlschlag - Oberschwaben

 

Vor nicht allzu langer Zeit hatten sich Wohfahrtsverbände und gemeinützige Einrichtungen gegen die 1 € Jobs positioniert. Inzwischen outen sich diese Einrichtungen zunehmend als Profiteure dieser Regelung, vollziehen den Schulterschluss mit der Regierungspropaganda und sind daher mit verantwortlich für zunehmende Verelendung der Betroffenen.
Mit einem offenen Brief wollen wir erreichen dass sich Wohlfahrtsverbände von den 1 € Job-Regelungen distanzieren, bzw. öffentlich positionieren und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit den Belegschaften suchen. Um Druck aufzubauen sind weitere Aktionen geplant.

Unser offener Brief:

 

Betrifft: Ein-Euro-Jobs

"Sehr geehrter Herr/Frau ...

Bis vor wenigen Monaten waren wir uns mit den großen Wohlfahrtsverbänden und gemeinnützigen Einrichtungen in folgenden Punkten einig:

Ein-Euro-Jobs

- werden die Qualität der sozialen Arbeit verschlechtern und gehen daher zu Lasten derer, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind,
- werden die Arbeitsbedinungen regulär Beschäftigter verschlechtern,
- sind eine nicht hinnehmbare Form von Zwangsarbeit, die der gemeinnützigen Arbeit von Strafgefangenen gleicht,
- werden reguläre Arbeitsplätze verdrängen.

In den letzten Wochen haben große Wohlfahrtsverbände ihre Haltung grundlegend geändert und wir befürchten, dass sie sich an der Einführung des Ein-Euro-Arbeitsdienstes beteiligen. Jedoch ist die Haltung der Wohlfahrtsverbände keineswegs einheitlich. Wie Sie der Anlage entnehmen können, hat sich die Diakonie Pommern gegen die Schaffung von Ein-Euro-Jobs ausgesprochen. Auch Paul Saatkamp, Vorsitzender der AWO Rheinland-Pfalz, hat eine Beteiligung an derartigen Plänen ausgeschlossen.

Wir bitten Sie nun um eine Stellungnahme, wie sich Ihre Einrichtung zu den Plänen zur Schaffung von Ein-Euro-Jobs verhalten will.

Mit freundlichen Grüßen
Bündnis gegen Sozialkahlschlag Oberschwaben

Anlage: Pressemitteilung der epd

Pommern: Diakonie will keine "Ein-Euro-Jobs" schaffen
Greifswald (epd). Das Diakonische Werk der pommerschen Kirche hat sich gegen die Schaffung von "Ein-Euro-Jobs" im Zuge der Hartz-IV-Reform in den eigenen Einrichtungen ausgesprochen. In den Häusern werde eine anspruchsvolle professionelle Arbeit geleistet, sagte der Vorstand des Werkes, Dieter Baumstümmler, am Donnerstag dem epd in der Hansestadt. Diese könne nur von ausgebildeten und motivierten Menschen geleistet werden. Zudem würden ergänzende Angebote durch Freiwilligendienste, ehrenamtliche Arbeit bis hin zum Freiwilligen Sozialen Jahr für Jugendliche realisiert. Grundsätzlich, so Baumstümmler weiter, werde die geplante massenhafte Einführung der "Ein-Euro-Jobs" die Zahl der vorhandenen Arbeitsplätze in Vorpommern nicht erhöhen, sondern eher zu einem Abbau regulärer Arbeitsplätze unter anderem im Bereich der Pflege von Grünanlagen führen.

Die wenigen Fälle, in denen gemeinnützige Arbeit für Arbeitslose ein sinnvoller Weg in den Arbeitsmarkt ist, rechtfertigten nicht den massiven Ausbau dieses Instruments. In der Region scheitere die Integration in den Arbeitsmarkt nicht an mangelndem Willen, sondern an den fehlenden Arbeitsplätzen, ergänzte der Diakonie-Chef. (19.8.2004)
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 12. Januar 2010 um 08:08 Uhr