2003 5000 Menschen frieren für den Frieden (Schwäbische Zeitung PDF Drucken E-Mail

( Artikel aus Schwäbischer Zeitung vom 17.02.03)

 

5000 Menschen frieren für den Frieden

 

RAVENSBURG - Ein überwältigendes Bild bietet sich am Samstag in der Innenstadt: Ein schier nicht enden wollender Zug von Demonstranten zieht durch die Straßen. Unzählige Menschen, laut Polizeiangaben gut 5000, demonstrieren für den Frieden und gegen den drohenden Irak-Krieg.
Von unserer Mitarbeiterin Christiane Wohlhaupter

 

Schon am Bahnhof, dem eigentlichen Treffpunkt zur Demonstration waren tausende Menschen zusammengekommen. Zur Friedensdemo aufgerufen hatten das "Ravensburger Bündnis gegen den Irakkrieg" und Friedensbündnisse aus der Umgebung.
Kleine Kinder sind gekommen, die ein Schild hoch halten, auf dem ein selbstgemalter, durchgestrichener Panzer zu sehen ist. Aber auch ältere Leute, die die Schrecken des zweiten Weltkriegs noch selbst erlebt haben sind da. "Ich habe meinen Vater im Krieg verloren", erzählt eine Frau. "Meine Mutter hat ihr ganzes Leben um ihn getrauert. Das reicht, wir brauchen keinen Krieg, wir stehen für den Frieden ein. "
Partei- und Gewerkschaftsmitglieder haben sich eingefunden, aber auch Angehörige christlicher Gruppen. Es sind Libanesen gekommen, die ihre Nationalhymne singen und viele Vertreter des türkisch-islamischen Kulturvereins. Lehrer, Studenten und Schüler ziehen ebenso los wie Punks.
Langsam setzt sich die Menschenmasse in Bewegung. Vorne dabei ist eine Gruppe von GEW-Mitgliedern, die mit Trommeln,Rasseln, Pfeifen und Schellen Musik machen. Einer der Musikanten trägt ein Plakat um den Hals "Nicht gegen Amerika, sondern gegen die Bush Connection". Ein junger Mann schwenkt eine riesige Fahne mit einem überdimensionales "Peace"-Symbol.
Vom Bahnhof geht es über die von der Polizei gesperrte Eisenbahnstraße zum Gehweg an der Karlstraße. In der Bachstraße säumen Schaulustige fasziniert den Weg der Demonstranten. Über die Weinbergstraße und den Hirschgraben geht es zum südlichen Ende des Marienplatz.
"Ich finde es blöd, zu sagen so eine Aktion bringt nichts", erklärt Leonie Hirsch. "Denn nur zuzusehen bringt auch nichts. Deshalb bin ich heute hier und zeige, dass ich gegen den Krieg bin", so die 18-jährige Schülerin.
Der Zug zieht weiter, bis er schließlich, nach eineinhalb Stunden, am Kuppelnauplatz angelangt. Hier findet die Abschlusskundgebung statt. Reiner Böker, vom "Ravensburger Bündnis gegen den Irakkrieg" kann es kaum fassen, vor so einer großen Menschenmenge zu stehen. "Wir hatten optimistisch mit zwei, oder höchstens zweieinhalb Tausend Menschen gerechnet", erklärt er. "Aber so lasse ich mich gerne überraschen."
Oberbürgermeister Hermann Vogler, der katholische Pfarrer Hagmann, Coskun Deniz, Vertreter der türkischen Gemeinde Oberschwaben, Wolfram Frommlet, die irakische Oppositionelle Souad Barbouti und der evangelische Pfarrer Riley Edwards-Raudonat richteten das Wort an die Demonstranten. Der angekündigte Redner Till Bastian konnte wegen Krankheit leider nicht teilnehmen.
Trotz Kälte verfolgten die Demonstranten gespannt die Reden. Mit der Zeit wurden die Zuhörer zwar weniger, aber trotzdem strahlt Reiner Böker: "Ein voller Erfolg!"
Friedens-Stimmen
(Stand: 16.02.2003 23:30)