2003 Rede von Coskun Denizanläßlich der Anti-Kriegs-Demonstration in Ravensburg PDF Drucken E-Mail

Rede von Coskun Denizanläßlich der Anti-Kriegs-Demonstration in Ravensburg am 15.02.2003

 

Als Sprecher des türkisch islamischen Kulturvereins und als Vertreter der türkischen Gemeinde Oberschwabens möchte ich hier unser entschiedenes Nein zu einem eventuellen Krieg im Irak kundtun.

 

Der Umstand, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen weltweit diesen Krieg ablehnt ist für sich gesehen sicher erfreulich. Dass der Wille dieser Mehrheit aber von Entscheidungsträgern so mancher demokratischer Staaten ignoriert wird, sollte uns in diesem Zusammenhang allen zu denken geben.

 

Wenn der Wille des Volkes oder der Weltbevölkerung als Grundpfeiler einer jeden Demokratie ignoriert wird, muss man sich fragen, welcher Zweck hier tatsächlich verfolgt wird. Schutz unserer westlichen Demokratie ? Nachdem der eigene Volkswille mit Füssen getreten wurde ? ..... Wohl eher nicht.

 

Wie auch immer für mich wichtig ist, dass sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung bisher nicht von Scheinargumenten der Kriegstreiber blenden lässt. Weder die Befreiung von den Nazis 1945 Noch der Marshall-Plan und schon gar nicht der Hinweis zur Bündnistreue rechtfertigen eine Beteiligung an einer Aggression die zwangsläufig den Tod tausender unschuldiger Menschen zur Folge haben wird.

 

Deutschland ist nicht undankbar und schon gar nicht untreu, wenn es den amerikanischen Amoklauf nicht im Gleichmarsch begleiten will.

 

Als Moslem und türkischstämmiger Bürger möchte ich an dieser Stelle auch konkrete Ängste unter der türkischen Bevölkerung zur Sprache bringen.

 

Wir befürchten, dass eine eventuelle Aggression im Nahen Osten und die bereits als Folge angekündigten Vergeltungsschläge östlicher Terrororganisationen auf die westliche Welt, das gesellschaftliche Zusammenleben von Christen und Moslems weltweit nachhaltig beeinträchtigen könnten.

 

Wir befürchten auch, dass die Gewaltspirale tiefe Gräben zwischen die friedliche Co-Existenz sich schätzender Kulturen und Religionen reißen könnte.

 

Der Tod unschuldiger Menschen auf beiden Seiten könnte womöglich einen Keil zwischen die Koalition der Friedliebenden aller Kulturen treiben und den Kriegstreibern als Rechtfertigung für neue und aber neue Aggressionen dienen.

 

Berührungsängste und die Abnahme von Toleranz sind Gift für unsere Gesellschaft.

 

So wie der wild um sich schießende Amokläufer am Ende meist sein eigenes Schicksal besiegelt, birgt ein unkontrollierter und auf Verdacht basierender Angriff auf den Irak ernstzunehmende Gefahren für den Weltfrieden und unsere Zivilisation.

 

Als letztes möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, dass die Koalition der Kulturen für den Frieden mich sehr glücklich macht und uns für die Zukunft Hoffnung geben sollte. Die Friedliebenden dieser Welt sollten diesen Schulterschluss beibehalten und beharrlich sein, egal was kommt.

 

Vielen Dank