06.03. Oberschwäbische Impressionen von der überregionalen Krisendemo in Nürnberg. PDF Drucken E-Mail

Die Krise ist noch lange nicht vorbei!

In Griechenland toben die Klassenkämpfe contra Finanzkrise und Sparprogramme, Islands Bürger rebellieren gegen die Banken-Elite und dem Vorzeige Ökonomist Great Britain droht der Verlust des AA-Ratings. In Oberschwaben ist die Welt so gesehen noch in Ordnung.

Dem Motto folgend: "Zeit für eine Wende! - Zeit für eine andere Welt" mobilisierten wir zur Krisendemo in Nürnberg und fuhren mit dem Wochenendticket in die Frankenmetropole. Unsere erste Berührung am Bahnhof war nicht der gewohnte Empfang durch Robocops, sondern die Begegnung mit einer anderen Welt. Die Bahnhofshallen waren gefüllt mit über 100 EMO-Kids, die mit ihren Emotions beschäftigt - und leider nicht im Sinne hatten die Ungerechtigkeiten dieser Welt zu verändern.

An der Lorenzkirche angekommen, waren wir ein wenig enttäuscht ob der ausbleibenden DemonstrationsteilnehmerInnen. Die einfachste Erklärung ist, es auf das kalte Wetter und den Schnee zu schieben.

Um kurz nach 14 Uhr waren dann immerhin ca. 500 Menschen auf dem Platz. Ungewöhnlich für eine Demo gegen Sozialabbau und Krise, dass dreiviertel der Demonstrantinnen dem Schwarzen Block zugerechnet werden konnten. Wir warten da gespannt auf eine Auswertung der OrganisatorInnen.

Der berechtigte Vorwurf zu Zeiten der Demonstrationen gegen die Agenda 2010, dass sich die radikale Linke / Antifa zu wenig mit sozialen Kämpfen und stattdessen auf Anti-Nazikämpfe konzentriert, greift bei einer derartigen Zusammensetzung nicht. Bereits bei dem regionalen Sozialticketaktionstag am 10.10.2009 erwies sich die autonome Linke mit Abstand am mobilisierungsfähigsten. Während es punktuell imme öfter gelingt breite gesellschaftliche Bündnisse in Blockaden (siehe Dresden) gegen Neonaziaufmäsche einzubinden, sieht es derzeit wohl eher düster um die Eigendynamik sozialer Kämpfe in Deutschland aus. Und das sollte Anlass zur Unruhe sein, um sich weitere Gedanken zu machen.

Die Demonstration durch die Nürnberger Innenstadt war laut und lebendig und einige PassantInnen schlossen sich der Demonstration an. Auf der langen Route bei Wind- und Schneetreiben sind manchen von uns doch die Knie ein wenig weich geworden - spätestens dann als die lückenlose symbolische Umzingelung des Nürnberger Rathauses anstand, weil es einer der Orte ist an denen die unsoziale Politik zugunsten der besitzenden Minderheit auf lokaler Ebene umgesetzt wird. Weiche Knie bekamen wohl auch einige Autonome, die über keine Erfahrungen mit Händchen halten und Menschenketten hatten. Wir fanden die Idee gut und werden versuchen diese Anregung für unsere Region aufzugreifen.

Trotz mangelnder Masse auf der Demo - ein erfolgreicher Auftakt für die Krisendemos in diesem Jahr. Das Stuttgarter Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise" plant zusammen mit der DGB-Region Nordwürttemberg eine gemeinsame Protestaktion am 20 März von 11-13 Uhr in der Kronprinzenstraße.

Mehr Informationen unter: www.kapitalismuskrise.org

 

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 13. Juni 2010 um 13:57 Uhr