Was ist ein Rhizom PDF Drucken E-Mail
Freitag, 28. Januar 2005 um 00:00 Uhr

Rhizom:

Ein Rhizom, oft auch Wurzelstock genannt, bezeichnet in der Botanik ein meist unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsendes Sprossachsensystem mit kurzen, verdickten Internodien, das oft von schuppigen Niederblättern umgeben ist, in dem Reservestoffe gespeichert sind und von dem nach unten die eigentlichen Wurzeln, nach oben die Blatttriebe ausgehen.
 
In der politischen Philosphie von Gilles Deleuze und Felix Guattari umfasst es ein Modell der Wissensorganisation und Weltbeschreibung, in dem die Metapher des Baumes für die Hierachie des Wissens durch das Wurzelgeflecht der pflanzlichen Rhizoms ersetzt werden soll.
 
Ein Rhizom ist ein System, das "vielwurzelig" verflochten ist und nicht in einfachen Dichotomien aufgeht. Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderen Linien weiter. (DG 1977, 16). Seine einzelnen Punkte können und sollen untereinander verbunden werden (Konnexion).
Unterschiedlichste Sachverhalte können miteinander in Verbindung treten (Heterogenität). Das heißt allerdings nicht, dass es innerhalb eines rhizomatischen Wissens keine festen Strukturen geben kann. Jedes Rhizom enthält Segmentierungslinien, nach denen es geschichtet ist, territorialisiert, organisiert, bezeichnet, zugeordnet etc.; aber auch Deterritorialisierungslinien, an denen es unaufhaltsam flieht. (DG 1977, 16) Statt Einheiten werden bevorzugt Vielheiten beobachtet, die zugleich Plateaus sind. Jede Vielheit, die mit anderen durch an der Oberfläche verlaufende unterirdische Stengel verbunden werden kann, so daß sich ein Rhizom bildet und ausbreitet, nennen wir Plateau. (DG 1977, 35).
 
Die Umbennung in Rhizom ist spontan entstanden, als wir auf der Suche nach einem neuen Namen für unser Projekt waren. Den Begriff fanden wir symphatisch - er umschreibt und eröffnet Interpretations- und Aktionsraum für unsere Aktivitäten.
 
Der neoliberale Raubzug der Global Players und die grosse Koalition im Schlepptau verändern tiefgreifend unsere Lebensqualität, unseren Lebensraum und unsere Bedürfnisse, erzeugen aber gleichzeitig Risse im Putz der herrschenden Ideologie. An diesen Rissen wollen wir ansetzen, entlangwuchern und den Putz aufsprengen.
 
Der Kern der kapitalistischen Aneigung liegt in der Aneigung und Unterwerfung lebendiger Arbeit und damit der Kontrolle über die Produktions- und Reproduktionsbedingungen. Die Aneignung der Ware Arbeitskraft, der unbezahlten Mehrarbeit und des Mehrwertes bedeutet für die Kapitalisten auch die Aneignung von Zeit, Kreativität, Kontrolle und Macht, sowie die Enteignung von kollektiven Produktions und Reproduktionsmitteln.
Wir setzen auf die ( Wieder- ) Aneigung von unten und wollen uns die kapitalistische enteignete Welt wieder zu eigen zu machen. Wir wollen selbst über unsere Tätigkeiten, unsere Zeit, Bedürfnisse und unser Leben bestimmen. Aneignung in diesem Sinne heißt die momentane Verteilung und Nutzung des gesellschaftlichen Reichtums in Frage zu stellen und auf dieser Grundlage eigene kollektive Prozesse, Handlungsweisen zu diskutieren und praktisch umzusetzen.
Rhizomatisch wollen wir uns mit regional / überregionalen Projekten vernetzen und gemeinsam aktiv werden, an den Rissen ansetzen und mit unserem Wurzelgeflecht die Risse weiter aufsprengen.
Macht mit - werdet aktiv und seid Teil eines rhizomatischen Netzwerkes.