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Rhizom:
Ein Rhizom, oft auch Wurzelstock genannt,
bezeichnet in der Botanik ein meist unterirdisch oder dicht über dem
Boden wachsendes Sprossachsensystem mit kurzen, verdickten Internodien,
das oft von schuppigen Niederblättern umgeben ist, in dem Reservestoffe
gespeichert sind und von dem nach unten die eigentlichen Wurzeln, nach
oben die Blatttriebe ausgehen.
In der politischen Philosphie von Gilles Deleuze und Felix Guattari
umfasst es ein Modell der Wissensorganisation und Weltbeschreibung, in
dem die Metapher des Baumes für die Hierachie des Wissens durch das
Wurzelgeflecht der pflanzlichen Rhizoms ersetzt werden soll.
Ein Rhizom ist ein System, das "vielwurzelig" verflochten ist und nicht
in einfachen Dichotomien aufgeht. Ein Rhizom kann an jeder beliebigen
Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen
oder anderen Linien weiter. (DG 1977, 16). Seine einzelnen Punkte
können und sollen untereinander verbunden werden (Konnexion).
Unterschiedlichste Sachverhalte können miteinander in Verbindung treten
(Heterogenität). Das heißt allerdings nicht, dass es innerhalb eines
rhizomatischen Wissens keine festen Strukturen geben kann. Jedes Rhizom
enthält Segmentierungslinien, nach denen es geschichtet ist,
territorialisiert, organisiert, bezeichnet, zugeordnet etc.; aber auch
Deterritorialisierungslinien, an denen es unaufhaltsam flieht. (DG
1977, 16) Statt Einheiten werden bevorzugt Vielheiten beobachtet, die
zugleich Plateaus sind. Jede Vielheit, die mit anderen durch an der
Oberfläche verlaufende unterirdische Stengel verbunden werden kann, so
daß sich ein Rhizom bildet und ausbreitet, nennen wir Plateau. (DG
1977, 35).
Die Umbennung in Rhizom ist spontan entstanden, als wir auf der Suche
nach einem neuen Namen für unser Projekt waren. Den Begriff fanden wir
symphatisch - er umschreibt und eröffnet Interpretations- und
Aktionsraum für unsere Aktivitäten.
Der neoliberale Raubzug der Global Players und die grosse Koalition im
Schlepptau verändern tiefgreifend unsere Lebensqualität, unseren
Lebensraum und unsere Bedürfnisse, erzeugen aber gleichzeitig Risse im
Putz der herrschenden Ideologie. An diesen Rissen wollen wir ansetzen,
entlangwuchern und den Putz aufsprengen.
Der Kern der kapitalistischen Aneigung liegt in der Aneigung und
Unterwerfung lebendiger Arbeit und damit der Kontrolle über die
Produktions- und Reproduktionsbedingungen. Die Aneignung der Ware
Arbeitskraft, der unbezahlten Mehrarbeit und des Mehrwertes bedeutet
für die Kapitalisten auch die Aneignung von Zeit, Kreativität,
Kontrolle und Macht, sowie die Enteignung von kollektiven Produktions
und Reproduktionsmitteln.
Wir setzen auf die ( Wieder- ) Aneigung von unten und wollen uns die
kapitalistische enteignete Welt wieder zu eigen zu machen. Wir wollen
selbst über unsere Tätigkeiten, unsere Zeit, Bedürfnisse und unser
Leben bestimmen.
Aneignung in diesem Sinne heißt die momentane Verteilung und Nutzung
des gesellschaftlichen Reichtums in Frage zu stellen und auf dieser
Grundlage eigene kollektive Prozesse, Handlungsweisen zu diskutieren
und praktisch umzusetzen.
Rhizomatisch wollen wir uns mit regional / überregionalen Projekten
vernetzen und gemeinsam aktiv werden, an den Rissen ansetzen und mit
unserem Wurzelgeflecht die Risse weiter aufsprengen.
Macht mit - werdet aktiv und seid Teil eines rhizomatischen Netzwerkes.
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